Historie

 Die Geschichte des TuS 07 Liedberg

–  Vereinschronik –

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des TuS im Jahre 2007, wurde in sehr mühevoller Arbeit die Geschichte des Vereins recharchiert und niedergeschrieben. Diese tollen und interessanten Informationen möchten wir auf diesem Wege auch noch einmal den TuS-Freunden zur Verfügung stellen. Viel Spaß beim Eintauchen in die Historie.

Um es gleich vorweg zu sagen, der TuS will nicht von sich behaupten, dass seit 100 Jahren in unserem Ort  Fußball in einer Vereinsorganisation gespielt wurde.

Der Fußball in Deutschland ist im Vergleich zum Turnen eine
relativ junge Sportart. Vor dem ersten Weltkrieg wurde vereinsmäßig organisierter Fußball nur in den industrialisierten Städten gespielt. Die männliche Jugend auf dem Lande hätte dazu auch niemals Zeit gefunden, war sie doch in ihrer Freizeit vollkommen in die Arbeiten an Haus und Garten eingebunden, um die Ernährung der Familien sicherzustellen.

stehend v.l.: Johann Birkmann, Hubert Stappen (Vereinswirt), Adam Ambour, – , – , Peter Blankenstein, – , Gerhard Thivissen, Josef Schüpper, Johann Holter, Fritz Hother, Josef Hausmann (Trainer), Josef Schnock, Franz Fischer (Geschäftsführer), Heinrich Beckers, Stefan Hoppen (Vorsitzender 1933-1935)

So ist im ganzen Korschenbroicher Stadtgebiet keine Fußballvereinsgründung vor dem 1. Weltkrieg belegt. Vielmehr erfolgten die Gründungen ausnahmslos alle in den 20er Jahren oder später.

Dass der TuS 07 trotzdem ein hundertjähriges Jubiläum feiert, liegt allein in der Tatsache begründet, dass der Turnverein Germania Liedberg am 13. März 1907 gegründet wurde. Aus dem Zusammenschluß des Turnvereins und Fußballvereins im Jahre 1937 ging schließlich der TuS hervor. Aber dazu später.

 

 

Der Beginn einer großen Leidenschaft

Der erste Fußball wurde von den Jungen auf den Dorfstraßen gespielt. Die viehhaltenden Landwirte hätten sich mit Sicherheit eine Zertrampelung ihrer Wiesen und Weiden verbeten. Mit dem Bedürfnis Fußball zu spielen waren aus englischer Gefangenschaft heimkehrende Kriegsgefangene weitere Mittler für einen organisierten Fußball.

Dieses Bild zeigt die gleiche DJK Mannschaft wie in vorhergehenden Bild, jedoch in veränderter Aufstellung.. Das Bild ist in der Saison 1927/28 datiert, was jedoch nicht mehr belegt werden kann.

In englischer Kriegsgefangenschaft hatten sie gelernt, Fußball nach Regeln zu spielen. Nach Regeln konnte man aber nur spielen, wenn dafür auch ein geeigneter Fußballplatz vorhanden war.

Politik, Verwaltung und die katholische Kirche des Ortes Liedberg hatten in den 20er Jahren das Bedürfnis der Jugend erkannt und reagierten.

Im November 1926 war mit Pastor Josef Zimmer ein neuer Pfarrer nach Liedberg gekommen, der sich stark der Jugendarbeit widmete. Als zweite treibende Kraft ist der aus Mönchengladbach stammende Holzhändler Peter Albers zu erwähnen, der zu dieser Zeit Mitglied des Kirchenvorstandes und gleichzeitig Gemeinderatsmitglied der Zentrumspartei war. Diese Beiden betrieben im Jahre 1927 entscheidend die Gründung eines Fußballvereins, der sich zunächst „Deutsche Jugendkraft Burgfried Liedberg“ nannte. Als Vereinsfarben wählte man Grün-Weiß. Der Zusatzname  „Burgfried“ wurde einige Jahre später gegen „Grün-Weiß“ ausgetauscht.

 

Die Wurzeln des Vereins

Damit war klar, dass der Fußballverein von der katholischen Pfarre mitbestimmt wurde. Alle DJK Gründungen dieser Zeit gingen aus Aktivitäten der katholischen Kirche hervor.
So war es auch logisch, dass Peter Albers der erste Vorsitzende des neu gegründeten Fußballvereins wurde. Er blieb es dann auch bis 1933, als er nach seinem Parteiwechsel zum ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Liedberg ernannt wurde.
Als Vereinslokal wählte man die Gaststätte Blankertz bzw. Hubert Stappen in Steinhausen. Der Landwarenhändler und Gastwirt Hubert Stappen war es dann auch, der dem Fußballverein bis zur Schließung der Gaststätte im Mai 1956 seinen mitbestimmenden Stempel aufdrückte.

stehend v.l.:unbekannt, unbekannt, Gerhard Thivissen, August Scharner, Johann Hother, unbekannt, Heinrich Schillings, Hubert Stappen, Josef Hother, Matthias Schnock, Adam Ambour, Heinrich Eicker, unbekannt

Gleichzeitig mit der Gründung des Fußballvereins wurde die Anlage eines regulären Fußballplatzes betrieben.
Im Liedberger Ortsteil Steinhausen wurde dafür ein „Bend“ also eine Wiese (Weide) ausgesucht, die am Rande des Hoppbroichs am Nordende der jetzigen Jahnstraße lag. Die Gegend nannte sich  „Bocksbenden“, ein Hinweis auf die verbreitete Ziegenhaltung in dieser Zeit. Wie die Eigentumsverhältnisse zu dieser Zeit waren, ist nicht mehr eindeutig aufzuklären. Es ist anzunehmen, dass die Benden Gemeindeeigentum waren, auf denen die Steinhausen-Liedberger Bürger u.a. ihre Ziegen weiden lassen durften. Am 14.8.1927, rechtzeitig zur Eröffnung der Spielsaison, war es dann soweit. Der neue Fußballplatz konnte eingeweiht werden. Zum Eröffnungsspiel warf der aus Steinhausen stammende Volksschullehrer und 1. Weltkriegsflieger Wilhelm Stappen aus dem Flugzeug den neuen Spielball ab.
Die Einweihung wurde anschließend bei einem Festkommerz im Saale der Gaststätte Hubert Stappen  ausgiebig gefeiert. Von nun an konnte also organisierter Fußball gespielt werden.

 

Attraktive Spiele und gesellschaftlicher Mittelpunkt

Der junge Verein florierte sehr gut, wie das noch vorliegende Kassenbuch beweist. Den Einnahmen nach waren bei Heimspielen viele Besucher zu verzeichnen. Die Platzeinnahmen betrugen 1930 etwa 30% der Gesamteinnahmen, was verglichen mit den jetzigen Jahresbilanzen sehr hoch ist.
Als kirchlicher Verein war es der DJK nicht gestattet kommerzielle gesellschaftliche Veranstaltungen durchzuführen.
Um dieses Manko wettzumachen bildete sich bereits 1927 die Gesellschaft „Gemütlichkeit“, die eng mit dem Fußballverein zusammenarbeitete. Sie organisierte  Festbälle im Saale Hubert Stappen und führte einen Großteil ihrer Gewinne an die Vereinskasse ab. Heute würde man eine solche Gruppierung als Sponsoren bezeichnen.

Die Gesellschaft „Gemütlichkeit“ existierte bis zum Kriege weiter und förderte den Fußballverein auch noch, als er einen anderen Namen bekam.

 

Die Spieler des TuS 07 Liedberg knien oder sitzen alle vor der Wehrmachtsmannschaft und können bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr identifiziert werden. 1. von links: Jakob Kempermann (Vorsitzender 1953-1955); sitzend: 2.v.l.: Josef Brender, Engelberth Heyers, Josef Schnock                     Erstes Bild einer TuS-Mannschaft

Fußballspiel in schwierigen Zeiten  –  Fusion von Turnverein und Sportverein

Nach dem Ausscheiden von Peter Albers als Vorsitzenden löste der an der Liedberger Volksschule tätige Hauptlehrer Stefan Hoppen den o.gen. im Vorsitz ab und blieb es auch bis zur Auflösung des DJK  „GrünWeiß“ Liedberg.

Diese erfolgte nach dem 23.7.1935 als durch politische Order im Rahmen des Gleichschaltungsprogrammes des NS-Regimes der „Deutschen Jugendkraft“ jede Betätigung, die nicht rein kirchlich-religiöser Natur war, untersagt wurde. Da man natürlich weiter Fußball spielen wollte nahm die DJK den Namen „Sportverein Grün-Weiß“ Liedberg an und bekam mit Wilhelm Hannen einen neuen Vorsitzenden.

Dieser Verein behielt seinen Namen aber auch nur knapp zwei Jahre, denn im Jahre 1937 kam es zum Zusammenschluß mit dem Turnverein „Germania“ Liedberg, der bereits 1907 gegründet worden war. Der neue Verein hieß nun „Turn- und Spielverein 07 Liedberg“.
In diesem Jahr führt unser Verein also seit 70 Jahren seinen eigentlichen Namen. Erster Vorsitzende wurde Peter Ziemes, der es auch bis Ende 1950 blieb, als Fußballverein und Turnverein sich wieder trennten. Ein bedeutendes sportliches Ereignis in dieser Vorkriegszeit war mit Sicherheit das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach am 12. Juni 1937. Der Verein existierte gerade zehn Jahre. Bei diesem Spiel wurden 125,16 Mark eingenommen. Das waren 15% der gesamten Jahreseinnahmen.
Mit dem Kriege fand der geregelte Vereinssport natürlich sein Ende. Umso erstaunlicher ist, dass der Spielbetrieb bereits im Herbst 1945 wieder aufgenommen wurde, wie die Kasseneinnahmen belegen.

Was die Umkleidemöglichkeiten betraf, so zogen sich die Spieler der Heimmannschaften zu Hause oder in den bescheidenen Möglichkeiten der jeweiligen Vereinslokale Hubert Stappen bis 1956 oder anschließend Herbert Stappen bis 1971 um.
Es gab zwar noch ein Holzhaus aus der Mitte der dreißiger Jahre, genannt „die Bude“ an der süd-östliche Längsseite des Sportplatzes; hier gab es jedoch nur eine Handpumpe, über die man Wasser an die Waschstellen verteilen konnte. Dass dies besonders im Winter kein Vergnügen war, kann man sich vorstellen. Als die Zivilgemeinde Ende der sechziger Jahre finanziell soweit war neben den Glehner Sportvereinen auch die Liedberger Sportvereine zu unterstützen, wurden 1970 Umkleidekabinen gebaut und 1971 an den Verein übergeben. Schließlich erhielt der Verein 1993 sogar ein eigenes Vereinsheim mit weiteren Umkleide-, Duschmöglichkeiten und einem Geschäftszimmer. Seit 1993 ist der TuS nun eigener Herr im Vereinsheim und hat die lange Zeit gepflegte Verbindung zu den Vereinslokalen mit ihren zwei „Vereinswirten“ Hubert und Herbert Stappen aufgegeben.